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17. Januar 2020

Schweinehaltung 2020

Armin Troxler, es scheint, dass in der Schweinebranche zur Zeit alles richtig läuft. Kann sich die Branche getrost zurücklehnen und auf die Zukunft freuen?
Diese Frage ist differenziert zu beantworten. Aktuell und bezogen aufs Jahr 2019 können wir sicher von einem bereinigten Schweinemarkt sprechen. Das Produktionsniveau hat sich dem Verbrauch angepasst und so liegt der Inlandproduktionsanteil bei rund 93%. Diese Marke ist goldrichtig, denn die Produzentenpreise stimmen und das Nahrungsmittel Schweinefleisch erhält so wieder seinen verdienten Stellenwert.

Betrachten wir aber die bröckelnden Rahmenbedingungen, das Produktionsumfeld oder die potentiellen Risikofaktoren, so ist festzustellen, dass dem blauen Schweinehimmel doch einige Gewitterwolken entgegensteuern. Aber nun der Reihe nach:
Mit den im Kanton Luzern umgesetzten TS/-DB-Bilanzbestimmungen, worin festgelegt ist, dass mindestens 50% des Deckungsbeitrages aus der bodenabhängigen Produktion stammen muss, können die meisten Schweineproduzenten ihren Betrieb kaum mehr weiterentwickeln. Es darf doch nicht sein, dass vor allem junge, motivierte Landwirte in solche Fesseln gelegt werden. Kommt hinzu, dass auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben in Zukunft die Generationennachfolge fehlen wird.
Im Weiteren stehen mehrere Initiativen zur Abstimmung vor der Tür (Trinkwasserinitiative, Massentierhaltungsinitiative etc.), welche bei einer Annahme die gesamte Landwirtschaft und damit verbunden, viele Bauernfamilien aber auch die gesamte vor- und nachgelagerte Branche in ihrer Existenz bedrohen oder massiv einschränken würden. Um dies zu verhindern sind alle gefordert, ihr Umfeld sachlich aufzuklären und zu motivieren, an diesen Abstimmungen ein NEIN einzulegen.
Mit den angesprochenen Risikofaktoren meine ich insbesondere die immer näherkommende Afrikanische Schweinepest. Vor allem die sprunghafte Verbreitung des ASF-Virus, z.B. von Ostpolen nach Westpolen, direkt an die Deutsche Grenze oder nach Belgien, veranlasst zu grosser Sorge. Und immer war es der Mensch, der diese Verschleppung verursachte. So gehören der internationale Transportverkehr, der Tourismus und Jagdtourismus aber auch Gastarbeiter auf landwirtschaftlichen Betrieben zu den grossen Risikofaktoren für eine Verschleppung. Klären Sie Ihre Gastarbeiter bezüglich dem grosse Gefahrenpotential auf, und stellen Sie sicher, dass kein Fleisch auf Ihren Betrieb mitgebracht wird! Auch wird dringend empfohlen, dass der erste Schweinekontakt in Ihrem Stall erst 48 Std. nach der Anreise erfolgt. Erhöhen Sie die Biosicherheit auf Ihrem Betrieb. Im Vergleich zu den angrenzenden Ländern kennt die Schweiz viele Schweinekrankheiten nicht. Durch diese trügerische Sicherheit wurde auf den meisten Schweinezucht- und Schweinemastbetrieben die Biosicherheit in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Zu Ihrem eigenen Schutz fordere ich Sie auf, die Biosicherheit auf Ihrem Betrieb zu erhöhen. Parallel dazu freuen wir uns auf ein gutes Schweinejahr 2020!

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Armin Troxler

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